Bildung

Ein wichtiges Anliegen ist für uns Liberale die Unterstützung und Stärkung der frühkindlichen Entwicklung und Bildung. In diesen Bereich investieren heißt nicht nur grundlegende Fähigkeiten in einer Phase großer Lernbereitschaft der Kinder zu fördern, sondern auch Defizite beizeiten erkennen und wenn möglich ausgleichen. Durch ein solches Vorgehen ersparen wir den Kindern und uns langfristig viele „Reparaturmaßnahmen“.

Mit der flächendeckenden Umsetzung des Orientierungsplans in den Kindergärten ab 2009 und der neu gestalteten, vorgezogenen Einschulungsuntersuchung stehen auch die Kommunen sowie die Kindertageseinrichtungen vor besonderen Herausforderungen. Die neuen Aufgaben für die Erzieherinnen und Erzieher, vor allem die Beobachtung und Dokumentation der Entwicklung jedes Kindes, die verstärkte Einbeziehung der Eltern und die Sprachförderung erfordern kleinere Kindergartengruppen, eine bessere Ausstattung der Kindergärten und eine Weiterbildung der Erzieherinnen sowie eine zusätzliche Qualifikation des Leitungspersonals. Hier sind Land und Kommunen gemeinsam gefordert, die Finanzierung dieser Maßnahmen sicherzustellen.

Die FDP setzt sich für eine Stärkung der Eigenverantwortlichkeit der Schulen in unserem Land ein. So ist es beispielsweise auf Initiative der FDP gelungen, in der 530 Mio. Euro umfassenden „Qualitätsoffensive Bildung“ Personalkostenbudgets zu verankern. Dies bedeutet, dass der einzelnen Schule ein Recht zur Budgetierung der Stellen in Mittel eingeräumt wird. Auch die vorgesehenen Senkungen des Klassenteilers müssen von der Schule nicht zwingend umgesetzt werden, sondern sie bewirtschaftet die ihr gemäß Organisationserlass zugewiesenen Stellen eigenständig.

Eine gestärkte Schulautonomie bedeutet nicht nur für Schüler, Eltern und Lehrer, sondern auch für die Kommunen und Landkreise, sofern sie Träger der Schulen sind, zahlreiche zusätzliche Gestaltungsmöglichkeiten. Auf das Engagement der am Schulleben Beteiligten wird es ankommen, wenn in einem Schulwesen nach liberaler Vorstellung Vielfalt und Wettbewerb im guten Sinne die Qualität der Bildung sichern. Voraussetzung für den Wettbewerb ist allerdings eine Aufhebung der Schulbezirke, um Wahlfreiheit zu gewähren.

Im Land tritt die FDP dafür ein, dass Schulverbünde und Schulversuche zugelassen werden müssen, wenn vor Ort ein stimmiges Konzept erarbeitet wurde. Dies betrifft ausdrücklich auch die angestrebten Kooperationen von Haupt- und Realschulen. Zugleich gilt es, die Betroffenen bei ihren Schulentwicklungsvorhaben zu unterstützen. Im Rahmen der „Qualitätsoffensive Bildung“ wird das Landesinstitut für Schulentwicklung personell verstärkt, um Hilfestellungen in vielen praktischen Fragen geben und eine wissenschaftliche Begleitung vornehmen zu können. Die aufgrund der sinkenden Schülerzahlen in den nächsten Jahren frei werdenden personellen Ressourcen müssen den Schulen erhalten bleiben. Die Kommunen sind aufgrund der demographischen Entwicklung aber auch aufgefordert, noch mehr als bisher über die kommunalen Grenzen hinweg eine regionale Schulentwicklung vorzunehmen, um auch in Zukunft arbeitsfähige Schulen vorhalten zu können.

Als eine Möglichkeit der regionalen Schulentwicklung sieht die Qualitätsoffensive Bildung den flächendeckenden Ausbau von Bildungsregionen vor. Ziel der Bildungsregionen ist es, für alle Kinder und Jugendlichen einer Region den größtmöglichen Bildungserfolg zu erreichen. Dazu wird in enger Zusammenarbeit zwischen Land und Kommunen und allen weiteren am Bildungsprozess Beteiligten über die bisherigen Zuständigkeiten hinaus eine staatlich- kommunale Verantwortungsgemeinschaft auf regionaler Ebene neu geschaffen. Die FDP unterstützt mit Nachdruck den vorgesehenen Ausbau von Bildungsregionen, wird doch hier jenseits von Zuständigkeitsfragen die gemeinsame Verantwortung für die Kinder und Jugendlichen in den Mittelpunkt gerückt zugunsten einer erfolgreichen individuell geförderten Bildungsbiographie.

Der Ausbau der Ganztagesbetreuung wird eine der großen Herausforderungen für die Kommunen und ihre Schulen bleiben. Für die Entwicklung der Ganztagesangebote ist die
Kooperation mit verschiedenen Gruppen und Akteuren in der Gemeinde unerlässlich. Genannt seien hierbei unter anderem die Schulfördervereine, die Musikschulen und –vereine, die Sportvereine und viele mehr. Die Möglichkeit zu musizieren und ein Instrument zu erlernen, sollte jedem Kind eröffnet werden.

Wichtig erscheint auch die Kooperation von Schulen mit der Wirtschaft, eine der wesentlichen Voraussetzungen für einen erfolgreichen Übergang von der Schule in den Beruf. In der globalisierten und technisierten Wissensgesellschaft von heute geht es darum, jedem Schüler unterschiedliche Lernwege zu eröffnen, ohne ihn schon zu früh auf bestimmte Berufslaufbahnen festzulegen. Diesem Anliegen der FDP ist in der Weiterentwicklung der Hauptschulen zu Werkrealschulen in noch stärkerem Maße als bisher Rechnung getragen worden. Gleichzeitig hält die FDP am Hauptschul-Bildungsgang als unverzichtbarem Bestandteil einer differenzierten Bildungslandschaft mit bestmöglicher individueller Förderung fest.

Die FDP sieht es als unabdingbare Voraussetzung an, dass die jeweiligen Abschlussqualifikationen so ausgestaltet sind, dass zwischen den unterschiedlichen Schularten
kompatible Übergangsschnittstellen bestehen und so ein Übergang in die nächst höhere Schulart nach absolviertem Abschluss immer möglich ist.

Im Sinne eines lebenslangen Lernens sind schließlich die Volkshochschulen mit ihrem breiten Angebot für viele Interessen und Bedürfnisse zu erwähnen. Auch sie müssen ebenso wie zahlreiche andere Angebote der Fort-, Aus- und Weiterbildung weiterhin nachhaltig gefördert werden.